Urlaubsmorgen am Strand



25.08.2002

8:06 Uhr
Ich sitze am Strand des kleinen Brombachsees. Ein kleiner Windhauch geht an mir vorüber. In der Ferne das Grollen eines Flugzeugs. Kinderstimmen. Vogelgezwitscher. Ich genieße die Ruhe.
Jeweils 20m links und rechts neben mir liegen zwei Paare mit ihren Schlafsäcken unmittelbar am Wasser. Sie schlafen.
Ich bin nicht der einzige Frühaufsteher. Einige andere Zeltwiesenbewohner sind ebenfalls schon vor einer Stunde aufgestanden und haben sich inzwischen auf ihre Drahtesel geschwungen und ihm die Spuren gegeben. ein Kind fängt lauthals an "Halleluja" zu singen. Ich muß schmunzeln, drehe mich um. Nach dem Kind suchend überfliegen meine Augen den Zeltplatz. Langsam beginnt er richtig zu erwachen. Vor einer Stunde noch sah man nur vereinzelte Menschen, die verschlafen ihr Zelt verließen und Richtung See blickten. Kleine Frühnebelschwaden waberten über ihn, der gerade aufgehenden Sonne entgegen.
Nun, eine Stunde später, hat er sich aufgelöst. Die Sonne steht höher, und es wird allmählich warm. Ihr Licht wird von zahlreichen Schäfchenwolken etwas abgeschwächt. Mehr und mehr wird das Zwitschern der Vögel von den Gesprächen der Menschen übertönt.

8:22 Uhr
Ich sehe mich um. An den Zelten meiner Freunde regt sich noch immer nichts. Aber das ist nicht schlimm. So habe ich die Gelegenheit, dieses idyllische Schauspiel zu bewundern und zu genießen.
Eine Kirche am gegenüberliegenden Ufer beginnt zu läuten. Viel zu lang und zu ungewöhnlicher Zeit. Inzwischen trauen sich auch die ersten Badewütigen in die Fluten und beginnen schwimmenderweise den See zu erobern.
Die Strandschläfer sind ebenfalls erwacht. Verträumt sitzen sie da und ... rauchen die erste Zigarette - na super!
Ein auf dem See schwimmendes Entenpärchen meldet laut schnatternd Protest an, als sich ein Schwimmerpaar ihnen nähert.

8:32 Uhr
Wieder weht ein laues Lüftchen an diesem sonst so windstillen Morgen. Und ich genieße ihn - ich genieße ihn mit allen Sinnen. So könnte es bleiben... .
Hektik, Streß, Arbeit ... Worte, die es hier nicht zu geben scheint. Nur 85 km von Erlangen entfernt habe ich das Gefühl, der Arbeitsplatz ist unerreichbar fern. Ich habe nichts dagegen.

8:42 Uhr
Schon wieder läutet diese Kirche, diesmal unterstützt durch eine zweite. Der Zeitpunkt gibt mir Rätsel auf. Herrscht hier an diesem wunderschönen Ort eine andere Zeitrechnung? Sei es drum. Ihr habe ich es zu verdanken, wach zu sein und diesen Morgen genießen zu können.
5, 6, 10, 15 ... immer mehr Fahrräder setzen sich in Bewegung und verlassen die Zeltwiese. Am anderen Ende des Sandstrandes haben sich einige pupertierende Jungs gefunden und planschen übermütig durch den See.
mein Blick streift wieder über das gegenüberliegende Ufer. Eine Schafherde wird unter lautem Blöken auf eine Wiese getrieben.
Schafe - Schäfchen ... da war doch was!? Ich blicke zum Himmel. Noch immer hat es die Sonne nicht geschafft, die Wolken aufzulösen. Im Gegenteil, leider werden es immer mehr, und immer dichter bedeckt sich der Himmel.

8:58 Uhr
Immer noch kein Lebenszeichen aus meinen Nachbarzelten. Ich überlege, ob ich baden gehe. Und während ich weiter auf den See blicke, wird die Sehnsucht größer, der Entschluß steht fest!